1 Der Kompetenzcluster als Zukunftsmodell
1.1 Optik ist Zukunft
Optische Technologien gehören zu den
zukünftigen
Schlüsseltechnologien in einer Vielzahl von technischen und
industriellen Bereichen – und haben damit eine enorme
Bedeutung
für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Schon heute sind mehr
als
15% aller Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe entweder
direkt
im Bereich der optischen Technologien angesiedelt, oder werden von
diesen beeinflusst. Licht ist eines der wichtigsten Werkzeuge in der
nahen und mittleren Zukunft. Es ist universell einsetzbar, belastet die
Umwelt in keinster Weise und beinahe monatlich eröffnen sich
neue
Möglichkeiten der Anwendung. Optische Technologien finden
mittlerweile Anwendung in vielen zukunftsträchtigen und
hochinnovativen Bereichen: in der Industrie, in der Medizintechnik, in
den Bereichen Automotive und Aerospace, aber auch im privaten
Home-Entertainment [
OT05].
Die optische Branche ist daher sowohl ein Job- als auch ein
Innovationsmotor ersten Ranges: Mit einem Zuwachs der
Beschäftigtenzahlen in einer Größenordnung
von mehr als
40% wird noch während der nächsten Jahre in
Deutschland
gerechnet – und das in einer Phase der Quasi-Rezession, in
der in
anderen Branchen mehr und mehr Stellen abgebaut werden [
OT05].
Dabei ist heutzutage kaum eine Technologie so vielseitig und innovativ
wie die Optik. In nahezu allen Branchen – von der
Medizintechnik
über die Automobilindustrie und den Infotainment-Bereich bis
hin
zur Beleuchtungstechnik entfalten optische Komponenten ihre Wirkung.
Durch sie werden Automobile leichter und damit energiesparender und
umweltschonender. In der Medizin ermöglichen sie sanfte
Diagnose-
und Heilungsmethoden und ersparen nicht nur dem Patienten anstrengende
Eingriffe, sondern auch dem Gesundheitssystem unnötige Kosten.
Leuchtdioden mit geringem Energieverbrauch und hoher
Lichtstärke
helfen in der Beleuchtungstechnik die Umwelt zu schonen und die
Energiekosten zu senken. Und nur durch die
Berabeitungsmöglichkeiten für Kleinstkomponenten, die
sich
durch feine Laser eröffnen, lassen sich immer kleinere
Geräte
mit immer mehr Funktionen für den Infotainment-Markt
produzieren [
KTO06].
Um das in der Entwicklung der optischen Technologie enthaltene
wirtschaftliche und wissenschaftliche Potential auf optimale Weise zu
nutzen, gilt es, die wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen
aufzubauen, die in der Produktion benötigt werden,
sowie
innovationsfördernde und nachhaltige Netzwerkstrukturen zu
schaffen und zu erhalten, die sich der wissenschaftlichen
Förderung und der wirtschaftlichen Nutzung sowie der
regionalen
Entwicklung optischer Technologien verschreiben.
1.2 Viele Partner und ein
Ziel
In einem solchen sogenannten regionalen Kompetenzcluster
vereinigen sich Wissenschaft und Wirtschaft, Forschung und Produktion
ebenso wie regionale und überregionale politische
Kräfte und
Verbände mit dem Ziel, die regionale wirtschaftliche
Ausrichtung
durch gezielte Verbundmaßnahmen zukunftsorientiert und
nachhaltig
zu entwickeln und dabei auch einen positiven Beitrag zur
Weiterentwicklung der optischen Technologien und zur Stärkung
des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu leisten. Die Bildung
von
Netzwerken zwischen leistungsstarken Partnern aus verschiedenen
Wirtschafts- und Arbeitsbereichen erwächst in einer auf allen
Ebenen immer stärker vernetzten Welt häufig zur
Grundlage
für innovative neue Technologien und Dienstleistungen, und
damit
zur Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Dort wo Potentiale
zusammenkommen und sich die Synnergien frei entfalten können,
wächst die Fachkompetenz, und mit ihr wachsen auch die Chancen
für die Region – dies entspricht genau der
Zielsetzung
eines Kompetenzclusters.
1.3 Leistung und
Gegenleistung
Welche Möglichkeiten eröffnen sich nun
den Unternehmen
und sonstigen Einrichtungen im Einzugsgebiet eines solchen Clusters?
Zielstellungsgebend sind insbesondere die Chance, sich an gemeinsamen
Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu beteiligen, wie auch die
verbesserten Möglichkeiten, in einem überschaubaren
Wirtschaftsraum exzellente Geschäftspartner zu finden und
langfristige, profitable Arbeitsbeziehungen aufzubauen.
Darüber hinaus ergeben sich noch weitere Formen des
gegenseitigen
Austausches und der Unterstützung, wie beispielsweise die
Schaffung eines gemeinsamen, aussenwirksamen Marketingprofils, das
Auftraggeber auf die Region und ihre Angebote und Vorzüge
aufmerksam machen. Dies kann über einen gemeinsamen
Internetauftritt geschehen, über gemeinsame
Messestände oder
die Integration einer shared corporate identity für das
Konzept
des Kompetenzclusters in die Außenauftritte von Unternehmen
und
Forschungsprojekten. Weitere Synnergieeffekte ergeben sich durch die
Bildung themenorientierter Fachgruppen und die damit verbundene
Intensivierung des fachlichen Austausches.
Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil besteht auch in der
Koordination und Absprache bei der Beantragung von
Fördermaßnahmen auf Bundes- oder Landesebene, die
nicht
selten auf Netzwerkförderung abzielen, und zudem im Kollektiv
einfacher gegenzufinanzieren und zu bewältigen sind. Ein
Kompetenzcluster kann so dazu führen, dass auch das volle
Förderpotential einer Region ausgeschöpft wird und
damit
zusätzliche Mittel in den Wirtschaftsraum und in die
beteiligten
Unternehmen fließen. Beispiele für
netzwerkorientierte
Fördermaßnahmen sind Pro Inno II, FH³ und
NEMO, welches
zudem auch nur für Standorte in den neuen
Bundesländern
beantragt werden kann.
Die Organisationsstruktur eines Kompetenzclusters kann
darüberhinaus auch Aufgaben übernehmen, die keinem
der
Akteure einen unmittelbaren Vorteil bringen, die aber der weiteren
Entwicklung der optischen Technologien und der Profilierung der
Wirtschaftsregion dienen, und somit zum langfristigen Bestehen des
Clusters selbst beitragen. Zu diesen Aufgaben gehört
beispielsweise die breite Öffentlichkeitsarbeit –
die
Unterrichtung der Öffentlichkeit über die
Nachhaltigkeit und
die Zukunftswirksamkeit von optischen Technologien – oder
auch
die Unterstützung von nicht-konkurrierenden
Existenzgründungen im optischen Bereich durch Coachings und
die
Vermittlung von Geschäftskontakten.
1.4 Vorbild
Ostwürttemberg - ein Kompetenzcluster mit Zukunft
Das der Aufbau eines Kompetenzclusters für
optische
Technologien nicht nur möglich ist, sondern sich auch bereits
nach
kürzester Zeit in steigendem Wachstum und einem
wirtschaftlichen
Erstarken der Region niederschlagen kann, zeigt die Wirtschaftsregion
Ostwürttemberg. Im so genannten „Photonic
Valley“ rund
um die FHTW Aalen (FH), die seit kurzem einen eigenen
Master-Studiengang „Photonics“ anbietet, haben sich
mittlerweile mehr als 50 kleine, mittlere und große
Unternehmen
aus dem optischen Bereich angesiedelt – und das bei
schlechteren
Förderbedingungen und – verglichen mit den neuen
Bundesländern – unmodernerer Infrastruktur.
Für die
Region ergaben sich daraus nicht nur 7000 Arbeitsplätze
sondern
auch ein ganz besonderes Image: Ostwürttemberg nimmt seit
mehreren
Jahren den vordersten Platz in der bundesdeutschen Patentstatistik ein
– mit mehr Patenten pro Beschäftigten als jede
andere Region
Deutschlands [
WiRO06].
Möglich gemacht wurde dieser Erfolg durch die gezielte Bildung
von
Netzwerken, die Schaffung optimaler Ansiedlungsbedingungen für
optisch orientierte Wirtschaftsunternehmen und die bildungspolitische
Fokussierung der Hochschule auf innovative und
zukunftsträchtige
Technologien. Damit ist der Erfolg des Vorhabens in erster Linie auf
Engagement und den Willen zur Exzellenz
zurückzuführen und
nicht auf besondere Standortfaktoren [
Bilger03].
In den neuen Bundesländern bieten sich im Vergleich bessere
Förderbedingungen und eine modernere, da neuere und noch in
der
Erneuerung befindliche informationstechnologische und
verkehrstechnische Infrastruktur. Eine Schwäche im direkten
Vergleich zeigt sich im Mangel an qualifizierten
Arbeitskräften,
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und innovativen
Forschungsprogrammen – genau hier kann die Hochschule
gemeinsam
mit regionalen Partnern wie IGZ und tti Abhilfe schaffen und somit
gleichsam zum Katalysator als auch zum Herzstück eines
Kompetenzclusters werden.
2 Der Harzkreis als optischer Kompetenzcluster
2.1 Die Hochschule Harz - ein regionaler Innovationsmotor
Eines der Kernelemente des Kompetenzclusters ist die
Hochschule
Harz, die nicht nur ein innovativer und leistungsstarker
Forschungspartner, sondern auch ein political player ist und sich mit
ihrem regionalen Gewicht für Ausbau und Fortbestehen des
Clusters
einsetzt.
Die Hochschule – eine der jüngsten und modernsten
Deutschlands – hat sich seit ihrer Gründung im Jahre
1991 an
ihren beiden Standorten im Harzkreis – Wernigerode und
Halberstadt – zu einem Innovationsmotor ersten Ranges mit
ständig steigenden Bewerber-, Studierenden- und
Beschäftigtenzahlen entwickelt. Durch die internationale
Ausrichtung und den hohen Praxisanteil der Studiengänge
trainieren
die Studierenden nicht nur von Anfang an auch ihre soft skills,
sondern bereiten sich auch in bestmöglicher Weise
auf die
Anforderungen des Arbeitsmarkts vor. Betreut werden sie dabei von
über 200 Mitarbeitern, die sich im Rahmen von Seminaren mit
durchschnittlich 30 Teilnehmern intensiv um die praxisnahe Ausbildung
der jungen Nachwuchskräfte bemühen können.
Mit ihren drei Fachbereichen – Wirtschatftswissenschaften und
Automatisierung & Informatik in Wernigerode und
Verwaltungswissenschaften in Halberstadt – und den
über 3300
Studierenden bildet die Hochschule den wissenschaften Kompetenzkern der
Region und damit auch des regionalen Clusters.
Abb. 1: Campus der
Hochschule Harz in Wernigerode
Die
ingenieurswissenschaftlichen und
informationstechnologischen Studiengänge werden im
Wernigeröder Fachbereich Automatisierung & Informatik
beherbergt. Bereits frühzeitig richtete man sich in diesem
Fachbereich auf die Vergabe der zukünftig an Bedeutung
zunehmenden
Bachelor- und Master-Abschlüsse ein, und kann inzwischen acht
grundständige Studiengänge und einen
internetbasierten
Fernstudiengang anbieten, darunter Wirtschaftsingenieurwesen,
Automatisierungstechnik, Medieninformatik, Technische Informatik und
Wirtschaftsinformatik.
2.2 Die Hochschule als
Standort für Exzellenzforschung
Das Streben der Hochschule Harz nach wissenschaftlich wertvoller und
zugleich wirtschaftlich ausgerichteter Forschung in verschiedenen
hochtechnologischen Bereichen wird an der reinen Anzahl der aktuellen
Forschungsprojekte des Fachbereichs Automatisierung und Informatik
ersichtlich, von denen einige nachfolgend kurz vorgestellt werden
sollen.
TaBu. Entwicklung einer Planungs-, Optimierungs- und
Archivierungssoftware für den Fahrzeugeinsatz im Bereich des
öffentlichen Personennahverkehrs, insbesondere im
Eisenbahnbereich, wo die Software bereits von der Harzer Schmalspurbahn
– der ältesten Schmalspurbahn Deutschlands
–
eingesetzt wird.
RoboCup. Im Rahmen dieses von der DFG geförderten Projektes
werden
die Grundlagen autonomer Roboter und Multiagenten-Systemen, die in
Industrie und im Bereich der Haushaltsroboter verwendet werden
können spezifiziert und erforscht.
Optomux. Entwicklung und Herstellung des Prototypen eines optischen
Datenübertragungssystems mit
Wellenlängenmultiplex-Technologie (WDM) und unter Einsatz von
Polymerfasern (POF) als Lichtwellenleiter. Ein solches System kann
beispielsweise zur Kurzstrecken-Datenübertragung in
Automobilen
oder Sondermaschinen eingesetzt werden. Dieses Forschungsprojekt
resultierte bislang in der Einreichung dreier Patentanträge [
Patente].
Faserlinsen. Dieses Projekt beschäftigt sich mit mit der
Entwicklung einer Maschine zur Herstellung von integrierten Linsen an
den Enden von Glasfasern. Gleichzeitig wird das optische Modenfeld
dieser Bauteile mit einer neuen, experimentellen Form der
Nahfeldmethode vermessen.
Abb. 2: Am Fachbereich
AI der Hochschule Harz entwickelter optischer Digitalsender
FuelCellSens.
Entwicklung und Bau des
Prototypen eines selektiven Gassensors für den
Hochtemperatureinsatz. Ein solcher Sensor kann zur selektiven Analyse
von Gasen bei Temperaturen bis zu 900ºC eingesetzt werden und
beispielsweise bei Verbrennungsgasen in Kraftwerken oder Automobilen
zum Einsatz kommen.
Leitende Ionenspuren in DLC. Herstellung und Untersuchung leitender
Ionenspuren in diamantartigen Kohlenstoffschichten und Entwicklung
neuer, quasi-eindimensionaler Bauelemente mit Abmessungen im
Nanometerbereich.
Weitere Informationen über laufende und geplante
Forschungsvorhaben der Hochschule aus Eigen- und aus Drittmitteln sind
im Internet verfügbar [
Forschung].
2.3 Der Harzkreis - ein
Standort mit Zukunft
Der Harzkreis bietet Investoren – nicht nur aus dem optischen
Bereich – ein hervorragendes Wirtschaftsumfeld mit
überzeugenden Standortvorteilen. Zu diesen Vorteilen
gehört
beispielsweise die hochmoderne, seit der Wende vollständig
neugestaltete, regionale Verkehrsinfrastruktur mit direkter Anbindung
an die neue Harz-Autobahn, das Schienennetz der Deutschen Bahn und den
internationalen Verkehrsflughafen Leipzig-Halle. Dazu kommen die
großzügigen Leistungen zur regionalen
Wirtschaftsförderung und die breitangelegte
Unterstützung
staatlicher Stellen und regionaler Partner bei unternehmerischen
Gründungen oder Ansiedlungen.
Durch das starke standing der Region in Sachen Ausbildung, Fortbildung
und Studium ergeben sich vielfältige Synnergien mit dem
technischen und verwaltungstechnischen Arbeitsmarkt, so dass
qualifizierter Nachwuchs und Weiterentwicklung des bestehenden
Mitarbeiterpotentials einen Standortvorteil der besonderen Art bilden.
Aber auch als Lebensraum für Familien entfaltet der Harzkreis
seine Stärken, immer getreu dem Motto: Dort leben und
arbeiten, wo
andere Urlaub machen.
2.4 - Der Herzkreis -
Wirtschaftsraum mit Lebensqualität
Umgeben von der majestätischen Harzer Bergwelt
liegen die
beiden Kleinstädte Wernigerode und Halberstadt, die beiden
Standorte der Hochschule Harz und die Zentren des Harzkreises. Hier
findet sich nicht nur ein innovativer Wirtschafts-, sondern auch ein
beschaulicher Lebensraum mit hervorragender Infrastruktur und optimalen
Anbindungen an Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt.
Wernigerode, die „bunte Stadt am Harz“, ist
maßgeblich durch die alten Fachwerkbauten, die schmalen
Gassen
und die vielen touristischen Sehenswürdigkeiten, wie Rathaus
und
Schloss, geprägt, die dem Ort seinen Bilderbuchcharakter und
seinen besonderen historischen Flair verleihen. Einladende
Straßencafés und Bars beleben das Stadtbild und
vielfältige Freizeiteinrichtungen bieten Abwechslung und
Lebensqualität für die ganze Familie.
Die Kreisstadt Halberstadt besticht durch die altromanischen
Kirchenbauten ebenso wie durch ein vielfältiges kulturelles
Angebot und umfangreiche Freitzeitmöglichkeiten. Die Stadt mit
ihren 40.000 Einwohnern ist bundesweit vor allem durch den
berühmten Dom und die Stadtkirche St. Martini mit ihren zwei
asymmetrischen Türmen bekannt.
3 Cluster und
Clusterbildung
3.1 Was ist vorhanden - was wird benötigt?
Ein Kompetenzcluster lebt wie jede andere Netzwerkstruktur
auch
von Partnern und Kontakten. Mit der Hochschule ist bereits ein potenter
und zumindest teilweiser auf die optische Forschung und die
Netzwerkarbeit ausgerichteter künftiger Netzwerkschwerpunkt
vorhanden. Hinzu kommen noch weitere Partner wie das Innovations- und
Gründerzentrum Wernigerode (IGZ WR), das
Innovations- und
Gründerzentrum Halberstadt (IGZ HA), das
Technologietransferzentrum Magdeburg (tti), das mit einer
Außenstelle im Harzkreis vertreten ist, ebenso wie das
Patentverwertungszentrum Sachsen-Anhalt (ESA-PVA), welches
ebenfalls über eine Außenstelle in Wernigerode
verfügt.
Auch die Wernigerode AG, die zentrale
Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Region, würde
sich in
den Aufbau eines optischen Kompetenzclusters einbringen. Dazu kommen
noch die traditionell in der Region vorhandenen Industrieunternehmen
mit optischen Zweigen oder optische Komponenten verwendenden
Produktlinien wie der Thyssen Krupp Industrieinstanhaltungsservice
Wernigerode, das Bahnbetriebswerk Halberstadt und der
Spritzgussspezialist Rautenbach, ebenfalls in Wernigerode
ansässig.
Darüber hinaus soll eine von der Hochschule und dem IGZ WR
unterstützte optische Ausgründung unter dem
Firmennamen
HarzOptics voraussichtlich noch Ende 2006 erfolgen. Das erste Produkt
dieser Ausgründung werden optische Lehrsysteme mit
Wellenlängenmultiplex-Technologie und polymeroptischen Fasern
als
Lichtwellenleiter sein. Mit der DieMount GmbH hat zudem
kürzlich auch ein erstes optisches Spezialunternehmen den
angestammten Firmensitz – in diesem Fall Erfurt –
verlassen, um sich in Wernigerode anzusiedeln.
Weitere solche Spezialunternehmen werden zur Entstehung eines viablen
Kernclusters benötigt und müssen daher durch Angebote
und
Marketingmaßnahmen auf die oben dargestellten Vorteile der
Region
aufmerksam gemacht und für das Projekt
„Kompetenzcluster
Harzkreis“ begeistert werden. Ein wesentlicher Impuls kann
hier
von der Hochschule ausgehen, die ihre nationalen und internationalen
Kontakte und ihren Zugriff auf bundesstaatliche und landesstaatliche
Fördermittel dazu verwenden kann, Projektpartner einzuwerben.
Hierzu ist eine strategische Entscheidung seitens der Hochschule in
Hinblick auf ein langfristiges Engagement für den Auf- und
Ausbau
des Clusters erforderlich, der sowohl das politische standing der
Hochschulleitung als auch die forschungspolitische Ausrichtung des
Fachbereichs AI und die dort im Rahmen der täglichen Lehre
vermittelten berufspraktischen und theoretischen Kenntnisse und
Fähigkeiten umfasst.
3.2 Erste Schritte in
Richtung Cluster
Erste Schritte in diese Richtung sind bereits erfolgt.
Insbesondere kann hier auf zwei Fortschritte verwiesen werden: Die
Einrichtung der Vertiefungsrichtung „Photonic Systems
Engineering“ im neuen Bachelor-Studiengang
„Intelligente
Automatisierungssysteme“ (IAS) und die geplante Beteiligung
der
Hochschule an Forschungsvorhaben innerhalb des BMBF-Rahmenprogramms
„Optische Technologien – made in
Germany“,
insbesondere durch das Projekt „Polylux“.
Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung von Funktionsbauteilen
für Übertragungssysteme mit optischer
Wellenlängenmultiplextechnik und Polymerfasertechnologie
für
Multimedia-anwendungen, beispielsweise in Automobilen oder im
Home-Entertainment-Bereich. Das Projekt soll im Rahmen des
FH³-Programms bereits Anfang 2007 starten und wird einige
hochkarätige Partner aus dem Bereich der technischen Optik in
ein
Programm mit Wernigeröder Zentrum einbinden, darunter die
Boraglas
GmbH Halle , das tti Magdeburg und die INB Vision AG Magdeburg . Die
Möglichkeit weiterer Projektbeteiligungen seitens der
Hochschule
im Rahmen des oben genannten BMBF-Optik-Programms wird zur Zeit
eingehend untersucht.
Auch das Angebot der Hochschule an Bachelor-Studenten, sich im Rahmen
des ingenieurstechnischen Studiums auf optische Systeme zu
spezialisieren, kann als Beitrag zur Verbreiterung des regionalen
knowledge pools, zur Erhöhung der Zahl ortsansässiger
Spezialisten und damit zur Clusterentwicklung betrachtet werden. Zu den
wesentlichen Studieninhalten in der Vertiefungsrichtung Photonic
Systems Engineering gehören das Design und die Simulation
optischer Systeme und Komponenten am Computer mittels
Raytracing-Software, Spezialkenntnisse in der optischen Aufbau- und
Verbindungstechnik und Grundlagentheorie in technischer Optik,
Wellenoptik, Mikrosystemtechnik und Elektrotechnik. An der Hochschule
ausgebildete Ingenieure können in der Entwicklung optischer
Funktionsbauteile, im Qualitätsmanagement in der optischen
Fertigung, im Design optischer Netze und Übertragungsstrecken
und
in vielen weiteren Arbeitsbereichen eingesetzt werden.
3.3 Die nächste
Stufe
Der nächste Schritt besteht in einer
gründlichen
Analyse der regionalen Wirtschaft, vorzugsweise unter Einbindung der
jeweiligen Verbände, mit dem Ziel, weitere potentielle Partner
zu
identifizieren und bezüglich des Clusterkonzepts zu
informieren.
Zuvor ist das vorliegende Konzept zu erweitern und zu detaillieren
(Zeitplan, debts und benefits der Kooperationspartner, langfristige
regionale Vision, Nachhaltigkeitskonzept) sowie an eine corporate
identity mit einem entsprechenden corporate style zu binden (d.h. Logo,
Schriftzug, Farbe, Schriftart, etc.). Mit allen interessierten
Projektpartnern kann eine Projektgruppe und ein Entscheidungsgremium
gebildet werden, um weitere Schritte, wie die Identifikation und
Anwerbung von Unternehmen und Einrichtungen außerhalb der
Region
und die Beantragung unterstützender
Fördermaßnahmen zu
koordinieren.
Die designierte Rolle der Hochschule innerhalb eines solchen Clusters
würde eine klarere hochschulpolitische Fokussierung auf den
optisch-technischen Bereich und unterstützende Bereiche (wie
Informatik, Medientechnik etc.) erforderlich machen. Eine solche
Fokussierung beinhaltet, ist aber nicht beschränkt auf: Ein
klares
Bekenntnis zur Unterstützung des Clustervorhabends, die kurz-
bis
mittelfristige Beteiligung am BMBF-Rahmenprogramm „Optische
Technologien – made in Germany“ mittels
entsprechender
Forschungsprojekte sowie die langfristige Verbreiterung des
Lehrangebots, beispielsweise durch die Umwandlung der
Vertiefungsrichtung „Photonic Systems Engineering“
in einen
eigenen Bachelor-Studiengang.
4 Fazit - Herausforderung und Chance
zugleich
Die Bildung eines regionalen
Kompetenzclusters,
insbesondere für eine zukunftsträchtige Technologie
wie die
Optik, stellt eine große Chance für jede Region dar,
insbesondere für infrastrukturell und förderpolitisch
starke
aber wirtschaftsstrukturell weniger starke Regionen wie den
zukünftigen Harzkreis. Die Massierung von Know-How, Bildung,
Ausbildung und Produktion in einem begrenzten Gebiet in Kombination mit
einer entsprechenden langfristigen Marketingkampagne kann dazu
führen, einen solchen Cluster und damit die Region auf breiter
Basis bekannt zu machen und quasi als
„Visitenkarte“
für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung
dienen.
Während den enormen Chancen kaum Risiken
gegenüberstehen, da
die Region im Falle des Scheiterns ohne Kompetenzcluster kein
schlechteres standing hat als zuvor, und in jedem Falle in Bildung,
Forschung und Wirtschaftsförderung investiert wurde, ist das
Gelingen eines solchen Unterfangens dennoch mit großen
Herausforderungen verbunden. Es erfordert ein committment aller
Beteiligten, sich so gut wie möglich auf die Erreichung dieses
Ziels zu konzentrieren und nicht nur in kurzfristigen Aktionismus zu
verfallen, sondern nachhaltige Strukturen zu schaffen, eine Aufgabe,
die nicht „über Nacht“ zu schaffen ist.
Ist genügend Willen von Seiten der Politik, der Unternehmen,
aber
vor allem der Hochschule (die als einziger stakeholder kaum finanziell
sondern lediglich ideell profitieren kann) vorhanden, so besteht, auch
wenn es in der volatilen wirtschaftlichen Umgebung keine Garantien
gibt, eine gute bis sehr gute Chance, dass das Vorhaben zum Erfolg
führen zu können. In diesem Fall stellt sich nur noch
die
Frage zu welchem Wachstum, welcher Größe und welcher
nationalen und internationalen Bekanntheit man den Kompetenzcluster
mittel- bis langfristig führen kann – für
die
wirtschaftliche Entwicklung der Region und damit die Perspektiven der
Bürgerinnen und Bürger ebenso wie der Unternehmer ist
ein
funktionierender Cluster jeder Dimension in jedem Fall ein Zugewinn.
Literatur
[Bilger03] Bilger, U.: Von
der
Zukunftsinitiative zum Photonic Valley, Textsammlung des
Baden-Württembergischen Landtags, 2003,
http://www.landkreistag-bw.de/text_lkt/LKN1_4_19_23.pdf
[Forschung] Forschungsvorhaben an der Hochschule Harz:
http://www.hs-harz.de/Verw/WT/bericht/
[KTO06] o.V.: Regional handeln, überregional vernetzen
– das
Prinzip der Kompetenznetze Optische Technologien, Informationsschrift
der Kompetenznetze Optische Technologien, Hannover, 2006
[OT05] o.V.: Optische Technologien – made in Germany,
Rahmenprogramm des BMBF für die optische Forschung,
Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, 2005
[Patente] Multiplex-Sender für
Polymerfaserübertragung und Verfahren zu
dessen Herstellung, 10 2005 050 747.6, Demultiplex-Empfänger
für
Polymerfaserübertragung und Verfahren zu dessen Herstellung,
10 2005
050 739.5, Multiplex-Transceiver für
Polymerfaserübertragung und
Verfahren zu dessen Herstellung, 10 2006 009 365.8
[WiRO06] o.V.: Innovative Branchen ist Ostwürttemberg
–
Photonik & Optische Technologien, Informationsschrift der
Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region
Ostwürttemberg mbH
(WiRO), Schwäbisch Gmünd, 2006